Kinder ohne Zukunft

kein Bild, dient nur als Abstandshalter

Wiegenlied für ein Straßenkind

Der Mond schwimmt im Wasser.
Durch die Stadt,
und unter der Brücke
träumt ein Kind vom Fliegen.
Eingesperrt von der Stadt,
wie in einem metallenen Käfig,
... das Kind wird alt,
hat nie erfahren, wie man spielt.
Wie viele streunen wie du,
heimatlos durch die Nacht?
Wer Geld hat, dem fällt es leicht,
Liebe zu zeigen,
doch bitter sind die Tage,
an denen es keine gibt.

(Victor Jara, chilenischer Schauspieler und Theaterregisseur)

 

In den Elendsvierteln herrscht extremste Armut. Das Leben der Familien, die am Existenzminimum leben, ist von Arbeitslosigkeit, Krankheit und Unterernährung, Wohnungsnot, Gewalt und Alkoholismus gekennzeichnet. In der Regel sind die Bewohner der Slums nicht krankenversichert, weil sie die Beiträge nicht bezahlen können.

Kinder werden missbraucht und misshandelt. Ihre Eltern können ihnen nicht die Liebe und Zuwendung geben, die sie für eine gesunde Entwicklung benötigen. Ohne Schul- und Berufsausbildung haben sie schlechte Aussichten für eine bessere Zukunft.

In der Hauptstadt des Landes, Santiago de Chile, aber auch in anderen größeren Provinzstädten wie Concepcion, Chillán, Valparaiso und Osorno gibt es das Problem der „Niños de la Calle“ - der Straßenkinder. Sie leben das ganze Jahr über auf der Straße und sind meist Kinder von arbeitslosen Eltern, die ihre Sorgen im Alkohol vergessen wollen.
Sie leben vom Betteln und dem Verkauf von Blumen und Bonbons, vom Autowaschen und vom Parkplatzbewachen, aber auch vom Drogenhandel und Diebstahl. Sie sind an jeder Straßenecke zu finden, immer auf der Suche nach etwas Geld, um sich am Leben zu erhalten.
In der Nacht suchen sie in Hauseingängen, in verfallenen Häusern oder den großen Mülleimern der Stadt Schutz vor der Kälte und dem Regen oder der Polizei.
Viele von ihnen konsumieren selbst Alkohol und Drogen, um sich das Leben ein bisschen erträglicher zu machen.