Zweiklassenmedizin
Die Privatversicherten kommen in den Genuss einer besseren Behandlung bei Privatärzten und -kliniken, müssen dafür aber einen erheblichen Teil der Therapie-kosten selbst bezahlen. Immer wieder stürzen kranke Menschen wegen eines Tumors oder einer größeren Operation in den finanziellen Ruin. Das gilt auch für Ver-sicherte der gesetzlichen Krankenkassen. Sie können sich nur in den meist ärm-lichen öffentlichen Krankenhäusern behandeln lassen und müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Mittel- und Arbeitslose müssen selbst bei lebensbedrohlichen Erkrankungen lange auf Untersuchungen und Behandlung warten.
Die KINDERHILFE CHILLÁN hatte bereits unmittelbar nach der Vereinsgründung Kontakt zu den Schwestern des Ordens „Siervas de Jesús de la Caridad“, die sich um eine Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bewohner von Elendsvierteln bemühten. Zu Beginn wurden regelmäßig Medikamente nach Chile geschickt. Später half die KINDERHILFE CHILLÁN, einen dringend notwendigen Erweiterungs-bau, die von den Schwestern geführten "Policlinico San Vicente“, zu finanzieren.
1990 wurde der Entschluss gefasst, ein kleines Krankenhaus zu bauen, weil verarmte Chilenen nicht oder nur unzureichend stationär behandelt wurden. Die "Clinica San Lucas" konnte für chilenische Verhältnisse fast vollständig mit gebrauchten medizinischen Geräten aus Deutschland gut ausgestattet werden. Nach relativ kurzer Zeit mussten die Verantwortlichen der KINDER-HILFE CHILLÁN leider feststellen, dass die eigentlichen Zielsetzungen mit dieser Einrichtung nicht erreicht wurden. Mit der Behandlung von Reichen sollten Gewinne erzielt werden, um Bedürftige kostenlos behandeln zu können. Zur Vermeidung von Defiziten wurde daher 1993 beschlossen, die Einrichtung zu schließen. |
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Wartesaal der Policlinico |